PIP Implantate Offener Brief an Talk-Show Moderator, Herrn Lanz

Sehr geehrter Herr Lanz,
obgleich ich Ihre Talkshow sehr schätze war ich neulich doch ziemlich betroffen. In Ihrer Sendung fuhren Sie eine Patientin ziemlich schroff an, weshalb Sie sich einer Burstvergrößerung unterzogen hat lassen.
Auch wenn Sie dann doch noch rhetorisch gesehen political corectness herstellten, ich empfand es als ungerechtfertigt.

Seit 1998 betreue ich Frauen bei Brustoperationen, zumeist aus ästhetischen Gründen. Es sind selbstbewusste Frauen aus allen Schichten. Keine spontanen Entschlüsse.

In Ihrer Sendung wurde auch auf die finanziellen Folgen aus dem geschilderten aktuellen Skandal hingewiesen. Es  wurde der Eindruck erweckt, dass die betroffenen Frauen die Folgekosten vollumfänglich selbst tragen müßten.
Dem ist nicht so.
Die gesetzliche Regelung besagt, dass Krankenkassen und Versicherungen die Kosten zu übernehmen haben.
Es steht Diesen dann frei, sich an den „Verursachern“ schädlich zu halten.

Auch die Äußerungen des Spitzenverbandes der GKV von Frau Pfeiffer sollten kritisch gewürdigt werden.
Zurzeit geht man von 25 – 35 betroffenen Frauen aus. Wie so vieles sind in der Bundesrepublik auch die Kosten durch Fallpauschalengesetz geregelt (DRG).

Unter der ICD-Diagnose 5-883.21 und der stationären Operation OPS-Code T 85.4 ergibt sich eine durchschnittliche Vergütung / Kosten von € 4544,13 in öffentlichen Krankenhäusern.

Unterstellt, alle 35 Frauen wären gesetzlich versichert und würden sich einer Operation unterziehen wären dies ein Kostenaufwand von

35 * € 4544,13 = € 159.044,55


Zum Vergleich, die gesetzlichen Krankenkassen haben 2011 eine „Überschuss“ von

€ 7.000.000.000


erwirtschaftet. Ich gehe davon aus, dass es der Solidargemeinschaft von gesetzlich Versicherten durchaus zumutbar ist, für diese Kosten aufzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.med. Daniel Panzer

PS Ich möchte sie noch wissen lassen, dass meine Klinik und Ich bei keiner betroffenen Frau diese aus finanziellen Gründen wegschicken werde. Notfalls werden wir für einen Großteil der Kosten selber aufkommen. Ich bin sicher, dass auch andere Kollege die selbige Sichtweise vertreten.